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Gepostet by on Okt 14, 2016 in Allgemein, Kinder | 8 Kommentare

Ein mal Freiheit und zurück, bitte

 

Die Zeitschrift Leben und Erziehen ruft aktuell zu einer Blogparade mit dem Thema #ichwürdegerne auf.

Ich beginne also nachzudenken und mich zu fragen, was ich denn als Mutter gerne würde, wenn ich könnte. Natürlich: mehr schlafen geduldiger sein, mehr Zeit haben… all das wäre schön. Und trotzdem stelle ich fest, während ich angestrengt nach einem Thema für einen neuen Blogartikel suche, dass gerne alles so bleiben kann, wie es ist.

…bis ich auf der facebookseite meiner Freundin und Trauzeugin Bilder sehe. Sie ist beruflich in Indien – und ich, ich ertappe mich dabei, plötzlich ganz fürchterlich neidisch zu sein. Plötzlich keimt da ein Gefühl in mir auf, das immer stärker wird. Schlagartig wird mir klar, was ich jetzt so gerne würde:

 

#ichwürdegerne frei sein!

 

Die Geburt meiner Kinder und das Muttersein haben mich gelehrt, was es heißt, bedingungslos zu lieben oder Verantwortung zu übernehmen. Ich bin erwachsen geworden und habe begriffen, was wirklich zählt. Ich habe viel gewonnen durch das Leben mit meinen Kindern – aber auch etwas ganz großes verloren: meine Freiheit!

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Ich bin höchst unfrei geworden, denn mein Leben wird nahezu komplett bestimmt von der Sorge um meine Kinder. Sie geben den Rhythmus vor, in dem wir leben. Ihre Bedürfnisse stecken den Rahmen ab, in dem wir uns bewegen.

Ich will den Kindern da gar keinen Vorwurf draus machen. Ich bin nicht durch einen dummen Zufall, sondern bewusst zur Mutter geworden. Weil ich es so wollte. Weil ich mir ein Leben mit Kindern gewünscht habe – mit allen Konsequenzen, die das eben so mit sich bringt. Ich bin gerne Mutter! An 8 / 10 Tagen fehlt mir nichts und ich weiß das große Privileg zu schätzen, mit vier wundervollen Kindern durchs Leben gehen zu dürfen.

 

Mehr als eine Mutter

 

Aber es gibt auch die anderen Tage. Die, an denen mir schmerzhaft bewusst wird, dass ich nicht nur Mutter bin. Eigentlich. Es gibt noch viele andere Anteile und Facetten in mir, die meine Persönlichkeit ausmachen – ich kann sie nur nicht ausleben.

Das sind die Tage, an denen ich mich frage, ob ich als Person überhaupt noch stattfinde und davon träume, einfach in ein Flugzeug steigen und die Welt entdecken zu können. Oder abends um die Häuser zu ziehen. Mich treiben zu lassen. Ein Buch nicht danach auszuwählen, ob es auch mit Schlafmangel und in Etappen verständlich ist. Unvernünftig lange aufbleiben und morgens ausschlafen zu können.

Ich male mir aus, wie es wäre, mich Hals über Kopf ins nächste Abenteuer zu stürzen – ohne Rücksicht auf Verluste. Oder mit dem Bartträger wieder leidenschaftlichen Sex zu haben, ohne mit mindestens einem Ohr bei den Kindern zu sein und darauf zu achten, sie ja nicht aufzuwecken.

Es gibt Tage, da möchte ich wieder wild sein und unabhängig, ungebunden und frei. Ich bin dann neidisch auf meine kinderlose Freundin. Die, die nicht nur nach Indien reisen kann, sondern auch noch dafür bezahlt wird.

Ich kann nicht nach Indien reisen. Auch nicht mal ein Wochenende nach Paris. Unter uns: ich kann noch nicht mal ungestört aufs Klo gehen.

Und meine Chancen, das ganze auch noch bezahlt zu bekommen, stehen ebenso gut wie die meines Hundes auf den Bachmann-Preis. Böse Zungen werden es nicht leid zu betonen, dass aus mir ja trotz hervorragender Ausbildung nichts geworden ist.

Ja, ich bin eine Mutter. NUR eine Mutter.

Es gibt niemanden, der mir ein Gehalt zahlt, an dem ich den Wert meiner Arbeit messen könnte. Oder jährliche Boni um anzuerkennen, dass ich einen guten Job mache. Es gibt keinen, der einspringt, wenn ich krank bin oder Urlaub brauche. Es gibt auch keine geregelten Arbeits- oder Pausenzeiten. Und schon gar keine Geschäftsreisen irgendwohin.

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An solchen Tagen überlege ich, wie es wohl wäre, morgens im Leben eines kinderlosen Singles aufzuwachen:

Ich könnte nachts durchschlafen, weil mich weder die beiden Zwerge, noch der scharchende Bartträger wach halten – aber es gäbe niemanden, der sich morgens an mich kuschelt und mir freudestrahlend einen guten Morgen wünscht.

Ich könnte von einem aufregenden Abenteuer ins nächste springen – aber ich weiß aus Erfahrung, dass mich das Singleleben schnell langweilt und das Gefühl, endlich „Mr. Right“ gefunden zu haben, ein ziemlich gutes ist.

Ich könnte morgens in Ruhe frühstücken und dabei sogar eine Zeitung lesen – aber es gäbe keinen, der zwischendrin mit mir spricht, mich mit seinem Humor überrascht oder unbeholfen auf meinen Schoß klettert, um seine Joghurtschnute an mir abzuschmieren.

Natürlich könnte ich reisen und ausgehen – aber es gäbe niemanden, mit dem ich das Erlebte teilen kann.

 

Schlagartig wird mir klar: das ist nichts für mich!

 

Ich liebe das Leben genau so, wie es jetzt ist: laut und manchmal ganz furchtbar chaotisch, lebendig und wuselig, herzenswarm, anstrengend und voller Überraschungen. Um keinen Preis der Welt würde ich das eintauschen wollen!

Ich ziehe oben genannten Wunsch also zurück und ersetze ihn durch #ichwürdegernesoweitermachenwiebisher

Und ich vertraue darauf, dass auch wieder andere Zeiten kommen. Zeiten, in denen die Kleinen durchschlafen oder mich auf Reisen begleiten können, in denen die Kinder immer selbständiger werden und zunehmend Zeit auch für mich bleibt.

Bis dahin genieße ich das Leben einfach so, wie es ist. Ich schaffe mir kleine Freiräume, nur für mich – und seien es nur zehn Minuten alleine mit gutem Lesestoff, einem Kaffe und einer Tafel Schokolade. Wenn mich die Sehnsucht wieder einmal packt, träume ich mich ein bißchen in die weite Welt hinaus. Einer Reiseführer liegt immer im Badezimmer – nur für den Fall der Fälle, dass ich es doch mal alleine auf die Toilette schaffe.

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Kennt ihr das? Das Gefühl, nur noch Mutter zu sein? Die Sehnsucht nach all dem, was einen darüber hinaus ausmacht? Wie geht ihr damit um? Welche Strategien habt ihr, um nicht nur euren Kindern, sondern auch euch selbst gerecht zu werden?

 

***

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8 Kommentare

  1. Ich kenne das Gefühl, nur Mama zu sein sehr gut. Meine Kinder sind 3 und 5, also noch sehr betreuungsintensiv.
    Es ist deutlich besser geworden, seit ich (nach 4 Jahren Pause) wieder zu arbeiten begonnen habe, 2 bis 4 Tage die Woche. Das sind mein „Ausflüge in die Erwachsenenwelt“, da gehe ich auch mit Kollegen Mittagessen wie früher und genieße es, 8 Stunden mal keinen Kinderkram um mich herum zu haben. Am schönsten finde ich Wochenenddienste, wenn mein Mann mit den Kindern weg fährt. Dann arbeite ich, schlafe durch und aus, gehe am Abend weg – das volle Programm, wie früher. Aber nach 3 Tagen ist es vorbei und das ist gut so. Denn so wie du würde ich mein Leben auch nicht mehr eintauschen wollen.

    • Deine Gedanken kann ich gut nachvollziehen. Auch ich habe (damals, mit „nur“ zwei Kindern) das Arbeiten sehr als Auszeit aus dem Kinderalltag genossen. Ich konnte in beiden Welten leben und dort das für mich jeweils Bereichernde mitnehmen und dann wieder voller Freude in den anderen Bereich meines Lebens eintauchen.

  2. Hallo,

    Es tut so gut diesen Artikel zu lesen.
    Gerade habe ich mich furchtbar geärgert über die Frau aus dem Tapetenladen.
    Die anfängliche gute Beratung die uns mitriss und veranlasste uns diese Tapete zu bestellen entpuppt sich gerade zum Disaster.
    Ja das ist so ein Moment wo ich mir sage „mmh ohne Kinder wäre der Geldbeutel voller und mein Tag in vielem produktiver und mein Wunschziel New York wohlmöglich näher“. Aber es ist wie sie es beschreiben.
    Ich hätte nicht das Glück fasziniert zu sein wie nun unser jüngstes und drittes Kind nun selbständig läuft. Stolz zu sein und sich Mega zu freuen, wenn die ersten Worte kommen und so putzig klingen.
    Oder beim einkaufen von der mittleren zu hören „Mama du bist die Beste“.
    Und von der großen liebevolle gebastelte Geschenke und Briefe zu bekommen.
    Nein ohne unsere drei Kids wäre es nicht so wie es ist.
    Chaotisch, liebevoll, laut, ja und manchmal wächst es einem über den Kopf. Aber es kommen andere Zeiten und das viel zu schnell.

    • Danke!

      Und ja: manchmal fürchte ich auch, das mit dem Großwerden geht viel zu schnell. Die „ersten Male“ sind die, die wir bewusst und voller Freuder erleben. Die vielen „letzten Male“ ziehen unbemerkt an uns vor bei und sind (wenn überhaupt!) nur in der Rückschau zu erkennen…

  3. Es gibt im Grunde nix hinzuzufügen. Toll geschrieben. Meine Jüngste wollte gestern den ganzen Vormittag nur auf dem Arm getragen werden, was bei 12kg Gewicht irgendwann zur Herausforderung wird. Doch dafür hat sie heute durchgeschlafen. So ein verrücktes Auf und Ab wird nie wieder in meinem Leben kommen. Nicht in solchen Extremen. Genießen wir die Zeit bis wir uns nur noch halbherzig darin erinnern können und unseren Enkeln erzählen, dass früher alles schöner und einfacher war. ?

    • Danke!

      Du hast recht: vieles relativiert sich so schnell und ist bald nur noch eine blasse Erinnerung. Schon von einem Kind zum nächsten komme ich hier immer wieder an den Punkt…

  4. Du schreibst wunderbar! Ich habe auch ab und an den Wunsch mal wieder nur „ich“ zu sein, mal wieder nur mit Mann zweisamkeit zu genießen. ABER unsere 2 Zwerge würde ich nie wieder hergeben wollen! Gerade heute fangen die Hände vom Mini an, das zu tun, was er will- ich hatte Pipi in den Augen… Solche Momente sind so wertvoll – man müsste sie einfrieren können – und machen mir immer wieder bewußt, wie wunderbar das Leben ist, so wie es ist! Nächste Woche kommen Oma und Opa und mein Mann hat Urlaub- vielleicht schaffen wir da mal 2h nur für uns. lg

    • Danke für deinen tollen Kommentar!

      Ja, neben dem wieder „ich“ sein ist es vor allem die Zweisamkeit, die fehlt. Ich glaube, das geht den meisten Paaren so. Für eure Paarzeit mit Großelternunterstützung drücke ich die Daumen!

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