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Gepostet by on Mai 8, 2016 in Allgemein, Kinder | 4 Kommentare

Nicht nur zum Muttertag

 

Ich gebe es zu: zum Muttertag habe ich ein mehr als gespaltenes Verhältnis. Liegt vielleicht daran, dass ich es schon als Kind gehasst habe, auf Knopfdruck dankbar sein zu müssen. Die Liebe und Fürsorge der Mutter sollten selbstverständlich sein. Auch und gerade für das Kind!

Nun bin ich selbst Mutter und betrachte den Aufwand, der in Schulen und Kindergärten betrieben wird, mit einem Augenzwinkern. Natürlich freue ich mich über Bilder und Selbstgebasteltes. Das Muttertagsgeschenk meiner Großen hat mir heute früh tatsächlich die Tränen fließen lassen – ein Bild, das mit so viel Sorgfalt und Geduld ausgemalt und mit so viel Stolz überreicht wurde: wundervoll! Aber wirklich wichtig…? Nö! Viel wichtiger sind mir die kleinen Zeichen im Alltag: wenn das Kleinkind mir einen nassen Kuss aufdrückt, das Baby mich anstrahlt, der Sechsjährige seine Fußballweisheiten mit mir teilt oder die Neunjährige letztens beim ins Bett bringen zu mir sagt: „Mama, du bist eine tolle Mama!“ Einfach so.

Meine Kinder müssen nicht dankbar sein dafür, eine Mutter zu haben. Das gehört (glücklicherweise!) zu ihrem Leben mit dazu. Bedingungslos geliebt zu werden (also, wirklich ohne Gegenleistung. Nur, weil es einem gibt!) ist wohl das größte Geschenk, das man im Leben erfahren darf. Vielleicht lehne ich mich damit arg weit aus dem Fenster, aber ich behaupte mal: das passiert einem (wenn überhaupt!) nur bei den eigenen Eltern und vielleicht den Geschwistern.

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Also schwankte ich bei den Muttertagen der letzten neun Jahre zwischen „muss doch nicht sein“ und „ist aber eigentlich doch ganz nett“. Muttertagswünsche hatte ich keine. Was kam, das kam. Wenn nichts kam, war es auch okay. Damit ist jetzt aber schluss. Ich will nicht mehr still und dankbar sein und mich darüber freuen, dass das, was ich hier leiste, an einem Tag im Jahr gewürdigt wird. Ich habe Wünsche. Und weil ich jetzt blogge, nutze ich die Gelegenheit und posaune sie hinaus in die Welt.

Unterstützung, bitte!

Ich wünsche mir, dass der Staat das würdigt, was ich hier leiste. Natürlich ist das Privatsache und niemand zwingt mich, Mutter zu sein. Ich bin das auch gerne, keine Sorge! Nur: wenn ich gleich vier neue Steuerzahler großziehe und dazu beitrage, dass der Generationenvertrag vielleicht doch den Hauch einer Chance hat, nicht an der demographischen Entwicklung dieses Landes k.o. zu gehen: dann kann man mir bitteschön auch im Alltag unter die Arme greifen.

Also, lieber Staat: ich wünsche mir eine flächendeckend ausgebaute und vor allem: qualitativ hochwertige Kinderbetreuung. Keine Kinderverwahranstalten, sondern Kindergärten mit einem anständigen Betreuungsschlüssel und Erziehern, die nicht nur ordentlich entlohnt und wertgeschätzt werden, sondern auch ein Arbeitsumfeld haben, das es ermöglicht, einen guten Job zu machen.

Ich wünsche mir ein funktionierendes Schulsystem, in dem Lehrer die Chance haben, auf einzelne Schüler einzugehen, in dem es genügend Lehrer und ausreichend kleine Klassen gibt und der Unterricht auch im Krankheitsfall eines Lehrers weiter stattfindet.

Aktuell bin ich „nur Hausfrau und Mutter“. Ich leiste einen wertvolle Arbeit für meine Familie, aber auch für unsere Gesellschaft, verdiene damit aber kein Geld. Ich wünsche mir gesetzliche Regelungen, die sicherstellen, dass ich auch im Alter abgesichert bin. Ich habe wenig Lust, später in die Armutsfalle zu tappen, sollte der Bartträger irgendwann entscheiden, doch lieber mit seiner Sekretärin oder einer netten, jungen Referentin ohne Augenringe glücklich werden zu wollen (oder ich selbst die Schnauze vom Bartträger voll haben sollte und unabhängig meine Wege gehen will – soll ja durchaus vorkommen.). *

Ich wünsche mir eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die es auch mir mit vier Kindern möglich macht, beruflich (noch einmal neu) durchstarten zu können. Ich wünsche mir eine Arbeitswelt, in der deutlich mehr Mütter Karriere machen und sich zunehmend Väter (trotz Job!) um die Belange der Kinder kümmern. Denn mal unter uns: auch, wenn es zahlreiche Ausnahmen gibt: im Normalfall sind es die Mütter, die den Kuchen fürs Kindergartenfest backen, Kinderkranktage nehmen und Ferienschließzeiten der Betreuungseinrichtungen überbrücken. Es sind die Mütter, die im Regelfall die deutlich längere Elternzeit nehmen, sich karrieretechnisch damit aus dem Rennen kicken und angerufen werden, wenn ein fiebriges Kind im Kindergarten sitzt und somit als „Risikoangestellte“ gelten.**

Von Staat und den Krankenkassen wünsche ich mir schnelle und überzeugende Lösungen, damit es auch zukünftig (weiter) ein flächendeckendes Netz freiberuflicher Hebammen gibt. Geburt ist keine Privatsache. Sie geht uns alle an. Es ist nicht egal, wie wir geboren werden und erst recht nicht, wie wir selbst gebären. Ich hatte das große Glück, alle vier Kinder selbstbestimmt und in einer 1:1 Betreuung gebären zu können – ein Luxus, der schon heute kaum mehr möglich ist (und sicher der Hauptgrund dafür, dass ich alle vier Geburten als positive, überwältigende und bereichernde Erfahrungen erlebt habe).

Wertschätzung statt Blumen!

Von meinem privaten Umfeld brauche ich weder Pralinen noch Geschenke. Was mir gefällt, kann ich mir durchaus selbst kaufen. Ich bin auch in der Lage, die Champagnerflaschen selbst zu öffnen.

Was mir aber fehlt, ist Wertschätzung. Rund um die Uhr versorge ich unsere Kinder. Ich stehe gemeinsam mit ihnen am frühen Morgen auf und trage den Kleinsten, der sich weigert, zum Schlafen abgelegt zu werden, in den Schlaf, bis ich irgendwann selbst ins Bett gehe. Ich stille nach Bedarf und wechsle Windeln, ich trockne Kindertränen, halte Hände, schlichte Streit, koche, putze und, und, und… Ich mache das gern. Ich habe mich selbst für ein Leben mit Kindern entschieden. Es ist okay, dass Toilettengänge ohne Anhang mindestens eines Kindes zur Seltenheit werden und das ungestörte Lesen eines Buches in weite Ferne gerückt ist… Geschenkt! Kinder werden größer und selbständiger. Die Zeit, in denen sie intensiv und mehr oder weniger ununterbrochen ihre Mutter brauchen, ist überschaubar und – bezogen auf die Kindheit – sowieso sehr kurz. Und, wie gesagt: von meinen Kindern erwarte ich da gar nichts. Väter, Eltern oder Schwiegereltern dürfen aber ruhig öfter wertschätzen, was ich da ununterbrochen tue. Das schadet nicht.

Nicht perfekt, sondern authentisch

Ich habe auch einen Wunsch an die anderen Mütter in diesem Land: hört auf, euch gegenseitig zu bashen und niederzumachen. Das Leben ist kein Müttercontest. Es gibt viele Wege, dem Kind eine gute Mutter zu sein. Kinder sind unterschiedlich, Mütter und Väter sind das auch. Es gibt unterschiedliche Belastungsgrenzen, ganz verschiedene Lebenssituationen und Herausforderungen im Alltag. Wir alle haben schon Momente des Scheiterns erlebt, sind an unsere Grenzen gekommen und unseren Idealen nicht gerecht geworden. Wir alle haben Tage, in denen wir unseren Kindern eine bessere oder schlechtere Mutter sind. Hört also auf, euch über andere zu erheben, nur weil sie einen anderen, für euch unverständlichen, Weg gehen. Hinterfragt, redet miteinander, bietet Hilfe und Unterstützung an. Aber: hört auf zu urteilen.

Vor allem aber: geht nicht so hart mit euch selbst ins Gericht! Kinder brauchen keine perfekten Eltern. Kinder brauchen Mütter und Väter, die authentisch sind. Zum Leben gehören nicht nur die guten, sondern durchaus auch mal schlechtere Tage: mit Überforderung oder Langeweile, schlechter Laune oder Streit. Auch wir Mütter dürfen Fehler machen. Wir sind Menschen, keine Heiligen! 😉

Ich wünsche mir, dass wir uns unter die Arme greifen, anstatt uns zu kritisieren. Dass wir voneinander lernen, anstatt zu urteilen, aber in erster Linie: dass wir keine überhöhten Erwartungen an uns selbst stellen und beginnen, nicht nur für unsere Kinder, sondern auch für uns selbst Sorge zu tragen.

 

*Mir ist durchaus bewusst, dass man sich auch als Paar selbst absichern kann / sollte.

**aber mal unter uns: auch wir Mütter tragen da ein ganzes Stück Verantwortung. So lange wir Väter beim Wechseln einer Windel beklatschen und als Helden feiern, wird sich auch ins Sachen Gleichberechtigung in den eigenen vier Wänden nichts tun.

 

4 Kommentare

  1. Sehr direkt und klar geschrieben, ein Touch „Berlin“ ist mit drin. Und mir, die ja aus dem Osten kommt, sprichst du aus der Seele. Genauso würde ich es auch schreiben. Vielleicht sogar noch konkretere Vorschläge formulieren, wie denn die Hilfe für die Mütter aussehen könnte. Eine Waldorferzieherin hat mir mal erzählt, Kinder brauchen ung. 10 Bezugspersonen (das bekannte „Dorf“, das die Kinder erzieht), um glücklich und gebunden aufzuwachsen. Wenn ich mich umschaue: Großeltern beiderseits sind im Ausland, Kinder sind bis abends im Kindergarten. Ich kann keine Bezugspersonen organisieren, in keiner Organisation. Da kommen Freiwillige ins Spiel. Ja, es gibt Unterstützung. Der Katholische Sozialdienst hat uns eine Helferin vermittelt, die einen vormittag in der Woche mit meinen Kindern etwas unternommen hat. Wie die Kinder aber nun mal sind (und altersentsprechend wollten sie noch viel ihre Mutter sehen), wollten sie mal diese etwas strenge Person sehen, mal nicht, die Chemie hat nicht so gut gestimmt, am Ende kam diese Frau nicht mehr. Aber: genauso stelle ich mir Hilfe vor: helfen in meinem Haushalt. Die Kinder kennen alles, haben ihr Spielzeug, sie integrieren ihre neuen Bezugspersonen in ihr Leben und es fällt ihnen das alles viel leichter als wenn sie irgendwo eingewöhnt werden müssten. Statt Herdprämie mehr Helfer für die Mütter! (Gut, die Herdprämie wurde ja abgeschafft…schade eigentlich)

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