Frauenfeindlich und unnötig – die geplante Studie von Jens Spahn

Lieber Jens Spahn,

Es ist es schön, dass Sie sich Gedanken machen. Um uns Frauen. Unsere Geburten. Oder unsere Entscheidungen für oder gegen ein Kind. Ich bin mir auch sicher, Sie meinen es gut. Nur ist gut gemeint auch in diesem Fall leider schlecht gemacht.

Konkret: es geht um Ihre geplante Studie über die psychischen Auswirkungen von Abtreibungen. Fünf Millionen Euro ist Ihnen das wert. Ganz schön viel Geld für einen, der knausert bei einer flächendeckenden Versorgung an Geburtshilfe.

Aber gut, fangen wir mit dem wenigen Positiven an. Es ist schön, dass Sie sich endlich dafür zu interessieren beginnen, wie es den Frauen hierzulande geht. Natürlich werden Sie Frauen finden, die Jahre nach einer Abtreibung bereuen. Die sich wünschten, anders entschieden zu haben. Eine Abtreibung ist ein weitreichender Eingriff in den Körper und die Biographie einer Frau. Natürlich können und dürfen Frauen diese Entscheidung rückblickend für falsch halten. Oder für richtig, aber eben dennoch schmerzhaft.

Vermutlich werden Sie aber auch Frauen finden, die heute wieder so entscheiden würden. Und, wie ich hoffe, auf jede Menge Frauen, die Ihnen das Gespräch verweigern. Weil es zwar um durchaus gesellschaftlich relevante Fragen, aber letztendlich um völlig private Entscheidungen geht. Konkret: Sie geht das nix an.

Was fangen Sie mit den Ergebnissen an?

Was machen Sie, wenn eine Mehrheit der Frauen erklärt, auch heute mit einer früheren Abtreibung im Reinen zu sein? Vermutlich nix! Aber was, wenn viele Frauen erzählen, dass sie noch heute an den Folgen einer Abtreibung leiden? Stellen Sie dann den im §219a gefundenen Kompromiss in Sachen Arztwerbung in Frage? Oder doch lieber gänzlich den §218?

Nehmen Sie es mir nicht übel, lieber Herr Spahn – aber ich vermute, es geht ihnen gar nicht um die Frau. Das ist ein ideologisches Ding. Eine Studie, die laut Gesundheitsministerium ergebnisoffen durchgeführt wird. Aber, mal ehrlich: glaubt wirklich jemand, Sie würden sich im Zweifelsfall am Ende hinstellen und erklären, Abtreibungen hätten keinerlei negative Auswirkungen auf die Frau und seien unter Studiengesichtspunkten absolut unbedenklich druchführbar? Wohl kaum…!

Die Studienlage ist eindeutig

Ihr Bemühen um das psychische Wohlergehen der Frauen wird noch unglaubwürdiger, wenn man auf die vorhandene Studienlage blickt. Denn es gibt bereits zahlreiche Studien zum sogenannten „Post-Abortion-Syndrom“, das von radikalen Abtreibungsgegnern so gern ins Feld geführt wird. Blöd nur, dass es diese Erkrankung laut Studienlage gar nicht gibt.

95% der Frauen sind auch drei Jahre nach einem erfolgten Schwangerschaftsabbruch sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Als Risiken für eine psychische Störung nach einer Abtreibung gelten nicht der Abbruch selbst, sondern die wahrgenommene Stigmatisierung, die Notwendigkeit, den Abbruch geheim zu halten oder eine geringe soziale Unterstützung für die Entscheidung.

Fünf Millionen Euro also für eine Studie, die es gar nicht braucht. Eine Studie, die frauenfeindlich und überflüssig ist. Geht es darum, den erst kürzlich gefundenen Kompromiss in Sachen Arztwerbung wieder in Frage zu stellen? Oder gar etwas, für das unsere Mütter und Großmütter auf die Straße gingen, wieder abzuschaffen? Fünf Millionen Euro, um die Befindlichkeit konservativer Männer zu befriedigen?

Herr Spahn, was ist mit den Frauen?

Ging es nicht ursprünglich darum, wie es uns Frauen geht? Warum keine Studie zu Regretting motherhood? Warum keine zur Gewalt oder Misständen unter der Geburt? Warum keine, um herauszufinden, wie Sie ganz konkret Rahmenbedingungen verbessern können? Damit Frauen am Ende abtreiben können oder gebären? Weil Kinder dann vielleicht kein Armutsrisiko mehr sind? Weil nach einer Geburt kein Karriereknick mehr droht? Weil Mütter nicht, wie so oft, durch ein Kind in Abhängigkeit von Mann oder Staat geraten?

Sie meinen, man könne die Entscheidung für einen Abbruch nicht der Frau selbst überlassen? Weil Frauen die Pille danach wie Smarties schlucken und ohne Sinn und Verstand in Abtreibungskliniken rennen?

Ich sage ihnen mal was, Herr Spahn:

Sie mögen uns Frauen als unmündige Wesen betrachten. Das sagt viel über Sie als Person aus. Mehr nicht. Ich glaube an die Großartigkeit von uns Frauen. Ich bin überzeugt, dass sich keine Frau leichtfertig für einen so weitreichenden Eingriff entscheidet. Ja, auch ich bin überzeugt vom Wert eines Lebens. Nur blicke ich dabei nicht ausschließlich auf das ungeborene Kind, sondern ebenfalls auf seine Mutter.

Herr Spahn, es geht nicht um Ihren Bauch. Im Übrigen auch nicht um meinen. Es geht um viel, viel mehr. Um Selbstbestimmung und Freiheit. Darum, die eigene Biographie gestalten zu können. Es geht darum, Kinder gebären zu wollen, nicht zu müssen. Und auch um Rahmenbedingungen, die es möglich machen, sich auch in schwierigen Lebenslagen für ein Kind zu entscheiden. Setzen Sie da an, Herr Spahn! Und geben Sie Ihr Geld für etwas Vernünftiges aus!

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Wer sich ebenfalls über die Studie Spahns empört, kann hier auf change.org eine von Nike von Dinther gestartete Petition unterzeichnen.

 

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