Pages Menu
Rss
Categories Menu

Gepostet by on Jul 16, 2016 in Allgemein, Kinder | 22 Kommentare

Fürsorge oder Bevormundung?

 

Es ist Samstagabend. Die Kinder sitzen mit dem Bartträger vor dem Fernseher und schauen einen Zeichentrickfilm. Ich versuche am Computer einen Blogartikel über Eigenverantwortung zu schreiben, als mein Sechsjähriger zu mir kommt.

„Mama, bringst du mich bitte ins Bett? Der Film ist total toll und spannend. Aber ich bin müde und möchte jetzt gerne schlafen gehen.“

Da wären wir ja direkt beim Thema.

Nachdem ich meinen Sohn ins Bett gebracht habe, komme ich ins Nachdenken. Erzähle ich anderen Müttern davon, dass meine Kinder freiwillig einen Film oder gar ein Fußballspiel während der EM unterbrechen um schlafen zu gehen, vorzeitig ein Computerspiel abbrechen, weil sie „genug“ haben oder mich um einen Obstteller bitten, weil sie „etwas Frisches“ essen wollen, blicke ich immer in ganz erstaunte Gesichter.
„Wie machst du das?“, werde ich oft schon fast bewundernd gefragt.

Irritierenderweise sind es oft die selben Frauen, die mich belächeln, wenn mein Baby das dritte mal in einer Stunde gestillt und nahezu ständig getragen wird. Oder die mich für eine Komplettversagerin halten, weil ich es meinem Zweijährigen erlaube, sich die Socken auszuziehen und auch im Winter barfuß durchs Haus zu laufen.

Dabei dreht es sich in beiden Fällen um das selbe Thema: Eigenverantwortung!

Von Anfang an kompetent

Schon vom ersten Atemzug an haben unsere Kinder ein Gespür für ihre Grundbedürfnisse. Sie wissen, wann sie hungrig sind oder müde, wann sie mit uns in Beziehung treten oder unsere Nähe spüren wollen. Schon kleine Babys signalisieren, wenn sie sich unwohl fühlen. Es ist an uns, das zu erkennen, die Bedürfnisse unserer Kinder ernst zu nehmen und auf sie einzugehen.

2016-07-16 08.58.58

Stattdessen aber versuchen wir, schon kleine Babys zu erziehen. Wir stillen sie in einem Vierstundenrhythmus, dessen Ziel es ist, uns geregelte „Arbeitszeiten“ zu schaffen. Möglichst früh und konsequent versuchen wir, dem Bedürfnis nach Nähe entgegenzuwirken und unseren Kindern beizubringen, alleine in einem Bett (durch) zu schlafen. Unser Nachwuchs trägt Kleidung, die wir für angemessen halten – völlig unabhängig davon, ob sie seinem persönlichen Wärmebedürfnis entspricht. Später dann lernen unsere Kinder, Nahrungsmittel auch dann zu essen, wenn sie nicht lecker schmecken und den Teller zu leeren, selbst wenn der eigene Hunger bereits gestillt ist.

So bringen wir Kindern bei, ihr Hungergefühl zu übergehen („du hattest erst vor zwei Stunden was, warte also!“) und ihr Sättigungsgefühl zu missachten („du isst den Teller leer!“), ihrem Geschmacksempfinden zu misstrauen („doch, der Spinat schmeckt lecker. Wenn ichs doch sage!“) und gewöhnen sie daran, die eigene Integrität verletzen zu lassen („du isst das. JETZT!“). Wir lehren sie, ihren eigenen Schlaf / Wachrhythmus aufzugeben („doch, du bist müde. Es ist schon sieben Uhr!“) und ihrem Wärmeempfinden zu misstrauen („ich friere – also zieh dir eine Mütze auf!“).

Und dann wundern wir uns ehrlich, dass unsere Kinder später keine Verantwortung mehr für die Grundbedürfnisse ihres Körpers übernehmen können oder wollen???

Dabei könnte es so einfach sein.

Wenn das Kind satt ist, ist es satt. Wenn es müde ist, dann schläft es. Und wenn es keine Möhren mag, dann isst es eben Paprika oder Gurken. So what?

Foto1552

Kinder eigenverantwortlich handeln zu lassen, ist kein Modetrend. Es bedeutet auch nicht, fortan „ja“ zu allen Wünschen der Kinder sagen zu müssen. Wir müssen auch nicht täglich das Lieblingsessen unserer Kinder kochen oder nur noch lila Glitzerkleider kaufen.

Was wir aber unbedingt tun sollen: die Grundbedürfnisse und Grenzen unserer Kinder respektieren! Das ist elementar wichtig für ein gesundes Aufwachsen. Die Grenze zwischen Fürsorge und Bevormundung liegt genau da, wo wir nicht bereit sind, die Bedürfnisse unserer Kinder zu sehen oder wir ihre persönlichen Grenzen übertreten.

Es gibt keine Alternativen

Wollen wir wirklich bis zur Volljährigkeit unserer Kinder entscheiden, was und wie viel diese essen oder wann sie schlafen sollen? Einmal abgesehen davon, dass wir unseren Kindern damit sowieso keinen Gefallen tun (an dieser Stelle ganz deutlich: nein, wir wissen nicht besser als unsere Kinder, was diese riechen, schmecken oder fühlen!!!) – irgendwann kommt doch zwangsläufig der Punkt, an dem unsere Kinder eigenständig Verantwortung für sich und ihr Leben übernehmen müssen.

Selbstfürsorge und Eigenverantwortung sind nichts, was am Ende der Pubertät vom Himmel fällt. Kinder brauchen über Jahre hinweg die Möglichkeit, diese Fähigkeiten zu trainieren – um schrittweise in immer mehr Bereichen ihres Lebens eigenverantwortlich handeln zu können.

Wer von Anfang an in seinen Bedürfnissen wahr und ernst genommen wird, wird zuverlässig lernen, selbst für deren Erfüllung einzustehen.

Wer merkt, dass die eigenen Körpersignale wahrgenommen werden, wird lernen, auch selbst auf den eigenen Körper zu hören.

Wer mit der Grunderfahrung aufwächst, von den Eltern als eigenständige Person wahrgenommen und respektiert zu werden, wird auch sich selbst die nötige Achtung entgegen bringen.

Warum wagen wir es nicht einfach, unsere Kinder diesen Schritt hin zur Eigenständigkeit gehen zu lassen? Warum trauen wir ihnen nicht zu, für die eigenen Bedürfnisse einstehen zu können? Und was gibt uns das Recht zu glauben, besser als unsere Kinder zu wissen, was für sie gut oder richtg ist?

Unsere Kinder können nur gewinnen, wenn wir ihnen die Selbstbestimmung über ihren Körper zugestehen und sie darin unterstützen, immer mehr Eigenverantwortung für die eigenen Bedürfnisse zu übernehmen.

Und wir – was können wir schon schon dabei verlieren?

 

***

Hat dir mein Artikel gefallen? Dann freue ich mich über ein „gefällt mir“ und über das Weiterteilen. Wenn du regelmäßig auch meine nächsten Artikel lesen magst, folge diesem Blog oder klicke „gefällt mir“ auf der Kakaoschnuten-Facebookseite.

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

22 Kommentare

  1. „Wenn Kinder müde sind, dann schlafen sie.“ Da muss ich leider wiedersprechen… Mein Großer (4) hält sich kurz vor dem Einschlafen (also kurz bevor es ihn übermannt) noch die Finger in die Augen, damit sie nicht zufallen. Nur um dann wieder voll aufzudrehen. Für die Umwelt (also uns und die Erzieherinnen in der Kita) ist es furchtbar. Er ist ja müde, aber er will nichts verpassen. Aber wenn er nicht schläft (abends erst gegen 22Uhr), dann kommt er früh halb 7 natürlich nicht aus dem Bett… Und hat tagsüber auch eine ganz schlechte Laune.
    Wir haben schon sehr viel probiert, aber er will einfach nicht schlafen 🙁
    Tipps?

    Ansonsten ein toller Artikel 🙂

    • Naja, es gibt einfach Menschen mit verschiedenen Schlafrhythmen und auch Viel- und Wenigschläfer. Beobachte mal genau die Zeiten, wo Dein Kind ruhiger ist oder wieder aufdreht. Es hat keinen Zweck, ihn ins Bett zu stecken, wenn er gerade so eine Aktivphase hat, dann lieber davor oder danach. Bei meinen 4 Kindern (3 davon schon erwachsen) war und ist das sehr unterschiedlich. Und vielleicht würde Dein Kind ja morgens auch lieber bis 10 schlafen. Aber leider müssen sich schon die Kleinen in die Gegebenheiten des Alltags einfügen. Wenn die Eltern nicht gerade Gleitzeit arbeiten oder zuhause sind … Und die Schule geht dann 8 Uhr los, da kann man nichts machen.
      Bei allen Themen (Schlaf, Essen , …) finde ich es wichtig, den Kindern zu erklären, warum etwas so ist – auch den ganz kleinen, die verstehen mehr als wir glauben. Und wenn sie es verstehen, sind sie auch eher bereit, die Ansagen der Großen zu akzeptieren. Das bedeutet natürlich oft, erstmal selbst nachzudenken, warum etwas so ist. (Und im Übrigen machen die lieben Kleinen auch das, was wir ihnen vorleben.)
      Meine 8-jährige Tochter kann z.B. freiwillig ihren Zuckerkonsum sehr gering halten, weil sie um die Konsequenzen weiß. Und wenn es wirklich mal sein muss und Alternativen wie Trockenfrüchte nicht reichen, dann isst sie auch mal Schokolade oder Gummibärchen – immer noch besser als Kaubonbon oder Lolli. auch das hat sie verstanden.
      Beim Thema Schlafen helfen Regeln und deren konsequente Umsetzung. (Wir müssen 6.30 Uhr aufstehen und ich habe beobachtet, dass Du 10 Stunden Schlaf brauchst, um gut gelaunt aufzuwachen, deshalb geht es wochentags 20 Uhr ins Bett. (Punkt!)) Auch die Bedürfnisse der Eltern sind ein Argument (Ich brauche jetzt Zeit für mich, Du kannst noch bis … wach bleiben, aber spielst etwas leises oder schaust ein Buch an. – am besten schon im Schlafanzug.) Man kann dem Kind auch die Verantwortung übergeben, selbst auf die Uhr zu schauen – manche finden das richtig gut. Und zum Abschluss ein kleines Ritual (vorlesen, Schlaflied, kuscheln …)
      Meine Tochter sagt dann auch regelmäßig, dass sie nicht müde ist, nicht einschlafen kann etc., aber wenn ich dann nicht mehr reagiere, weil es Schlafenszeit ist, schläft sie 5 Minuten später.

  2. Und wenn dein Kind später lieber Cola statt Wasser trinkt, dann lässt du es? Die Kinder werden so stark von der Industrie gesteuert, dass Sie dann nicht eigenverantwortlich, sondern fremdgesteuert (von der Industrie) aufwachsen. Auch wenn das für Säuglinge nur begrenzt gilt …

    Auch „Pausen“ zum Arbeiten haben zu wollen, ist doch eine berechtigte Forderung. Natürlich nur wenn das Kind dadurch nicht übermäßig beeinträchtigt wird.

    • Natürlich kann ich meinen Kindern das Colatrinken verbieten, bis sie volljährig sind, die Augen zukneifen, wenn sie das Zeug heimlich trinken und nach dem 18ten Geburtstag die Hände überm Kopf zusammenschlagen.
      Ich kann aber auch darauf vertrauen, dass meine Kinder einen verantwortungsbewussten Umgang mit Süßigkeiten oder „ungesunden Getränken“ erlernen – wenn ich ihnen einen Rahmen biete, in dem sie das tun können und selbst ein gutes Vorbild bin.
      Mit der „Selbstbestimmung über den eigenen Körper“ meine ich übrigens nicht, den Kindern die fünfte Kugel Eis in Folge zu kaufen, nur weil sie das unbeding wollen oder einem Zweijährigen schon ein Glas Cola einzuschenken. Es heißt für mich aber, dass meine Kinder beispielsweise keine Bananen essen müssen, wenn diese ihnen nicht schmecken.

      Und ja: die Verlockungen der Industrie oder Werbung sind riesig. Weil ich die Welt im Großen aber nicht über Nacht ändern kann, bleibt mir unterm Strich nur die Möglichkeit, meine Kinder auf das Leben „da draußen“ vorzubereiten. Indem ich sie stark mache. Indem sie lernen, auf den eigenen Körper zu hören. Indem sie trainieren, für sich und die eigenen Bedürfnisse einzustehen.

  3. Wow! Dieser Artikel ist so gut geschrieben!!! Fast schon Basisliteratur für alle Eltern! Danke!

    • wow, vielen Dank für dieses umwerfende Kompliment. Ich freue mich riesig!

  4. Dankeschön dafür! ?

  5. Moin, moin 🙂 Toller Artikel und für mich als Neu-Oma sehr interessant was sich in den Jahren alles geändert hat. Ich lerne gern immer wieder Neues dazu. Auch wenn ich es damals anders gemacht habe, bin ich gern bereit neue Sichtweisen und Erziehungsmethoden kennenzulernen.
    Liebe Schwiegertochter : DU machst das toll mit unserem Krümelchen 🙂

    • Wow, so eine Haltung finde ich absolut toll und ich ziehe meinen Hut vor dir, du unterstützende und offene Oma!!!

  6. Ich muss dir vollkommen recht geben. Auch meine Tochter (fast 4) kommt und fragt nach etwas „gesundem“ zu essen, nach Sprudel Wasser (Mineral Wasser)zu trinken, sagt, wenn sie keine Lust mehr hat, fern zu sehen.. Auch wir bekommen komische Blicke und blöde Kommentare. Dabei haben wir (unserer Meinung nach) gar nicht groß etwas dafür getan. Wir haben sie gefüttert, wenn sie Hunger hatte, sie auf dem Arm schlafen lassen, wenn sie es wollte, sie getragen, wenn sie es brauchte, sie in unserem Bett schlafen lassen, wenn sie Nähe wollte, wir waren frühzeitig Zuhause, um ihren Rhythmus zu gewährleisten, wenn sie Satt ist sie satt und wenn sie Hunger hat, bekommt sie etwas – auch, wenn wir ihr dann ein Brötchen unterwegs kaufen müssen..Wir haben sie in vielen Dingen einfach genommen, so wie sie ist. Aber (!) uns ist dies gar nicht als „Erziehungsstyl“ bewusst.. Wir haben einfach nach unserem Gefühl gehandelt – und werden es auch weiter so machen.. Selbstverständlich und natürlich gibt es bei uns regeln und Routinen..

  7. eigentlich eine selbstverständliche Sache, wenn man sich das überlegt, nur nicht immer so einfach umzusetzen, aber ich habe das bei der Erziehung meiner 6 Kinder auch versucht, Ihnen beizubringen, auf sich selbst zu hören und zu entscheiden….es ist nicht immer einfach…..auch nicht später, wo es noch schwerer ist, die Entscheidungen der großen Kinder immer zu akzeptieren….

    • Nein, einfach ist es tatsächlich nicht immer. Und ja, mit zunehmendem Alter der Kinder werden die Entscheidungsmöglichkeiten zunehmend komplexer und der elterliche Einfluss geringer. Gerade deswegen macht es ja Sinn, die Kinder in das eigenverantwortliche Handeln von Anfang an hineinwachsen zu lassen. Das trägt sie, ein leben lang!

  8. Toller Artikel. Es sollten mehr Eltern aufwachen und ihre Erziehung mal überdenken. Ich habe bei meiner Tochter (jetzt 25 Jahre jung)ebenso gehandelt. Ich wurde als Esoterikdame abgestempelt und als unverantwortlich benannt.Warum? Weil ich sie gern bei mir trug und wir viel kuschelten, weil es keine „geregelten“ Mahlzeiten gab sondern nach dem Hungergefühl gegessen wurde, weil sie auch mal NEIN sagen durfte, wenn sie zu irgendetwas kein Bedürfnis hatte.
    Mir war damals schon klar. Als Mutter trage ich Verantwortung für das Leben meines Kindes,klar. Andererseits habe ich trotzdem den Bedürfnissen, die aus dem inneren des Kindes kommen, mit zu entsprechen. Wenn ich wachsam den Bedürfnissen des Kindes begegne, gebe ich ihm die Chance, sich so zu entwickeln wie es am Besten ist. Er-ziehung? Ja wo ziehen wir sie denn hin? Nur dorthin wo WIR die Kinder gern hätten nach unseren Vorstellungen und damit wir nicht anecken bei der Gesellschaft?
    Es tut schon manchmal weh, welchen „Machtkampf“ Eltern ihren Kindern antun.
    Alles Liebe. Ute

    • „Ja, wo ziehen wir sie denn hin?“

      Das ist eine Frage, die wir uns regelmäßig stellen sollten. Danke für diesen Denkanstoß!

  9. Hallo ihr Lieben,

    trotz aller Tipps, Rituale, Globuli und jeglicher Musik will unsere kleine Prinzessin (jetzt 11 Monate) einfach nicht länger als 2-3 Stunden am Stück schlafen bzw. dann alleine einschlafen. Von Durchschlafen wollen wir gar nicht erst sprechen…

    Bekannte von uns hatten vor einigen Jahren so eine Baby Einschlafhilfe, wussten aber den Namen nicht mehr… Nach eigener Recherche sind wir dann auf das Produkt gestoßen, es nennt sich Sleepy Relax. Im Shop des Hersteller (*link entfernt*) ist es allerdings ausverkauft! Man hat lediglich die Möglichkeit sich per Newsletter über die Verfügbarkeit informieren zu lassen, hab schon beim Hersteller angefragt…

    Nun zu meiner Frage: Hast du, oder eine deiner Leserinnen, eine Ahnung, ob das das richtige ist? Und wenn ja, vielleicht weiß sogar jemand wie ich da ran komme (lebe in Frankreich…)???

    Danke vorab, müde Grüße und einen schönen Tag euch allen,
    Noemi

    • Hallo Noemi,

      ich halte es für relativ normal, dass ein elf Monate altes Kind nachts nicht durchschläft. Alle zwei bis drei Stunden aufzuwachen ist etwas, das ich bei allen vier Kindern erlebte. Meine Devise war: die Kinder in den Schlaf zu begleiten und auch nachts da zu sein. Mir tagsüber möglichst viel Entlastung zu organisieren (beim ersten Kind kann man tagsüber ja auch mitschlafen) und darauf zu vertrauen, dass das mit dem Schlaf bei zunehmendem Alter immer besser klappt. So war es dann auch – bei jedem Kind!

      Schlaf ist etwas, das in der Entwicklung unserer Kinder Zeit braucht. Manche Kinder schlafen schneller durch (oder alleine ein) als andere. Ich glaube kaum, dass ein elektrisches Gerät da wirklich substanziell Besserung bringen könnte.

      Herzliche Grüße,
      Katja

  10. Hallo Katja,
    Ich bin gerade über die Facebook-Montessori-Seite auf deinen Blog und diesen Artikel gestoßen.

    Ich finde ihn super! Tatsächliches eigenverantwortliches Handeln ist so wichtig.

    Nun habe ich hier eine zehn Monate alte Tochter, die mir nur selten zeigt, wann sie Hunger hat (oder ich bin zu blöd es zu erkennen), aber immer isst, wenn ich ihr etwas anbiete (weil der Tageszeitpunkt passt oder ich meine, dass sie mal wieder Essen müsste). Sie isst aber meist nicht viel. Andere Kinder vertilgen da reichlich mehr. Im Grunde mache ich mir keine Gedanken, da sie sich gut entwickelt, aber natürlich würde ich lieber ihre Zeichen erkennen und ihr etwas geben, wenn sie es braucht.
    Hast du vielleicht einen Tipp?
    Liebe Grüße Maria

    • Hallo Maria,

      was würdest du denn gerne verändert? Deine Tochter scheint beim Essen doch ganz hervorragend eigenverantwortlich zu handeln: sie isst, wenn du ihr etwas anbietest – nimmt aber nur die von ihr benötigte Menge Essen zu sich und hört auf, wenn sie satt ist.
      Mit zunehmendem Alter wird deine Tochter dir sicher auch deutlich sagen können, dass sie Hunger oder Durst hat oder gerne eine Portion Pommes essen möchte. Im Babyalter läuft ja noch ganz viel über das Erkennen (oft sehr subtiler) Zeichen und dem Angebot der Eltern. Der Trick ist ja, den Kindern schon Essen / Trinken oder eine Stillmahlzeit anzubieten, bevor sie vor Hunger brüllen. Offenbar reagierst du ganz intuitiv auf die Zeichen deines Kindes. Ich finde, das klingt super!

      Liebe Grüße,

      Katja

  11. Hallo!
    Alles in allem ein schönes Plädoyer für die frühe Selbstständigkeit zu denken.
    Aber ich würde gern etwas ergänzen.

    Eltern haben auch Grenzen, die gewahrt werden müssen. Barfuß im Winter raus und dann ein krankes Kind ist für mich ein Grenzübertritt. Ausprobiert, Kind will auch mit blauen Füßen nichts Warmes tragen und wird dann selbstverständlich krank. Mit meinen Kräften muss ich haushalten. Meine Energie stecke ich lieber in positive Erlebnisse mit Sohn.

    „Und was gibt uns das Recht zu glauben, besser als unsere Kinder zu wissen, was für sie gut oder richtg ist?“
    Manchmal Lebenserfahrung, Weitblick/ Überblick, Wissen, die/den/das unsere Kinder in ihrem geringen Alter nicht haben können.
    Mein Zweijähriger liebt Obst und Gemüse. Aber er würde auch gern täglich dazu Kakao trinken, kann täglich mehrmals Wurst/Leberwurst/Bratwurst essen, wenn wir ihn lassen, etc.
    Wie viel Freiraum bei einem Kleinkind zu einem gesunden Leben führt, ist wahrscheinlich auch abhängig vom Kind. Mein Zweieinhalbjähriger zumindest ist noch nicht empfänglich für Gesundheitsargumente.

  12. Liebe Katja, ich erlebe gerade noch die „Nachwehen“ deines Artikels. Toll geschrieben (auch tolle Antworten von den anderen Lesern), tolle Denkweise und autsch – du hast mich erwischt.

    Meine große Tochter kennt absolut kein Maß an Süßigkeiten. Sie würde gefühlt von morgens bis abends nach nichts anderem verlangen haben und das treibt mich regelmäßig in den Wahnsinn, weil sie auf Zucker heftig reagiert. Mich würden deine Kindergerechten Argumente und Vorgehensweise interessieren.
    Ich habe sie im Urlaub mal einfach essen lassen was sie wann und wie wollte und es hat verdammt viel Überwindung gekostet dabei zuzusehen (wir sind eine recht sportliche und Ernährungsbewusste Familie – nur meine Tochter mochte das erste Obst/Apfel erst mit 3 Jahren).

    Ich freu mich auf deine Antwort.
    Liebst. Suzanne.

    • Liebe Susanne,

      bitte entschuldige die späte Antwort. Ich habe deinen Kommentar erst sehr spät entdeckt…

      Unter Selbstbestimmung verstehe ich vor allem, dass meine Kinder nichts essen müssen, dass ihnen nicht schmeckt. Es muss niemand essen, wenn er satt ist und auch niemand hungern (zehn Minuten warten bis zum Abendessen halte ich bei einem Siebenjährigen aber für zumutbar 😉 ). Ich verstehe aber darunter nicht, dass jeder täglich das gekocht bekommt, was er am liebsten essen mag. Ich koche EIN Essen, – durchaus auch mit Rücksichtnahme auf die individuellen Geschmäcker. Aber nicht jeder Wunsch muss augenblicklich sofort befriedigt werden. Ich uterschiede durchaus zwischen Wünschen udn Bedürfnissen.

      Hast du meinen Artikel Ja und Nein gelesen? Ich könnte mir vorstellen, dass dir das bei der Positionierung weiterhilft. Es ist völlig legitim, JA zu den Wünschen der Kinder zu sagen. Auch zum selbstbestimmten Süßigkeitenkonsum. Aber es macht keinen Sinn, wenn wir das zähneknirschend sagen. Da ist ein authentisches NEIN vielleicht die bessere Alternative. Auch dabei können wir die Bedürfnisse unserer Kinder anerkennen und ernst nehmen.

      Liebe Grüße,

      Katja

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*